Wirtschaftsfachwirt

Meine Erfahrung mit der berufsbegleitenden Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt (IHK)

Mit süßen 16 Jahren ging es bei mir an die Bewerbungen um eine Ausbildung. Einen Ausbildungsplatz hatte ich zwar gefunden. Aber das konnte doch nicht wirklich schon alles gewesen sein … Den Rest meines (Berufs-) Lebens als Kauffrau für Bürokommunikation tristen – das wollte ich nicht. Und ein schöner Zufall brachte mich nach der Ausbildung an einen Chef, der mich in die Weiterbildung „triezte“. Also ging es für mich nach der Ausbildung und erster Berufserfahrung in den zweiten Bildungsweg. In die berufsbegleitende Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt. Wie ich die Weiterbildung erlebt habe und was sie mir am Ende gebracht hat, darüber plaudere ich hier ein bisschen …

** Info: Dieser Beitrag fiel meinem Projekt „Bloghochzeit und Neuausrichtung“ zum Opfer. Der Beitrag enthält (unter anderem) ein inhaltliches Update vom 21.01.2018! *

Wie ich an meine berufsbegleitende Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt kam

Mit 16 war ich fast noch ein Kind. Vieles interessierte mich, aber vieles auch nicht. Was sollte ich nach der mittleren Reife also mit meinem Leben anfangen? Weiter zur Schule gehen oder doch lieber eine Ausbildung anfangen? Dass ich eine Ausbildung begann lag daran, dass mir ein tolles Unternehmen einen Ausbildungsplatz zur Kauffrau für Bürokommunikation anbot. Dort arbeite ich übrigens auch heute noch. So kam es jedenfalls, dass ich zunächst eine kaufmännische Ausbildung abschloss. Zwar hätten mich auch kreative Berufe wie Floristin oder Kindergärtnerin gereizt. Doch bereits mit 16 Jahren dachte ich schon an das spätere Einkommen und die künftigen Perspektiven. Und da sah es in der Industrie deutlich besser für mich aus.

Nachdem ich Anfang 2007 meine Ausbildung abschloss ging es für mich ins „echte“ Berufsleben. Toller Job, toller Chef! Aber mein damaliger Chef setzte an mich eine Bedingung. „Nur“ eine Ausbildung war für ihn zu wenig. Er wollte, dass ich weiter mache. Er sah Potenzial und die Gefahr, dass ich zwischen der hohen Konkurrenz unter Kollegen untergehe, wenn ich mich nicht weiterbilde. Also ging die Suche nach einer geeigneten Weiterbildung los. Betriebswirt sollte es sein! Um diesen zu beginnen, musste ich aber zuvor eine Weiterbildung zum Fachwirt vorweisen. So die Regelung der IHK. Also gut: Gesagt, getan! Ich meldete mich also beim „IHK VFB“ zum Wirtschaftsfachwirt an. Berufsbegleitend bedeutete in diesem Fall übrigens eine Präsenzveranstaltung. 1,5 Jahre lang ging ich drei Mal die Woche also noch zur Abendschule. Montags und mittwochs nach Feierabend und samstags von morgens bis nachmittags.

Aufbau und Ablauf von meiner Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt (IHK)

Da ich meinen Weiterbildung in Präsenzveranstaltungen bewältigte, durfte ich drei Mal pro Woche in der Bildungseinrichtung antreten. Die war aber ganz in der Nähe, sodass ich – egal ob direkt von der Arbeit oder von zu Hause aus – nur circa 15 bis 20 Minuten Anfahrtszeit hatte. Montag und Mittwoch ging es nach Feierabend in die Vorlesung. Und Samstag von morgens bis nachmittags. Das ganze lief über 1 ½ Jahre, bevor es für mich auf die Abschlussprüfungen zuging.

Während den Präsenzveranstaltungen wurden wir (eine Gruppe aus knapp 30 Schülern) auf die Prüfungen vorbereitet. Lehrinhalte gab es dabei zu den (Prüfungs-) Fächern

  • Volkswirtschaftslehre (VWL),
  • Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechniken,
  • Unternehmensführung,
  • Rechnungswesen,
  • Recht / Steuern und
  • Betriebswirtschaftslehre (BWL).

Da meine Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt schon eine ganze Weile zurückliegt, habe ich spaßeshalber mal in den aktuellen Lehrplan (Stand Januar 2018) von der IHK VFB geschaut. Ein bisschen was geändert hat sich tatsächlich. Heute gibt es dort zum Beispiel eine Trennung nach Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen (Volks- und Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Recht und Steuern, Unternehmensführung) und Handlungsspezifischen Qualifikationen (Betriebliches Management, Investition, Finanzierung, betriebliches Rechnungswesen und Controlling, Logistik, Marketing und Vertrieb, Führung und Zusammenarbeit).

Da es sich um einen IHK-Lehrgang handelt, müssten sich die Lehrinhalte übrigens (mit kleinen Ausnahmen) bei fast allen Bildungsanbietern decken. Kleine Unterschiede kann es geben. Vor allem auch abhängig davon, in welchem Bundesland man seine Prüfungen ablegt. Aber wir sprechen von wirtschaftlichen Themen. Die sind einfach (immer) gleich. An sich dürfte es also „nur“ in Vertiefung und Schwerpunkten leichte Abweichungen geben.

Was ich von der Weiterbildung mitnahm und was sie mir bis heute gebracht hat

Freunde und Familie mussten in der Zeit leider massiv zurückstecken. Das Privatleben litt durch die Unterrichtseinheiten (und Lernphasen am Wochenende). Doch in dieser Zeit, im Sommer 2008, lernte ich sogar jemanden kennen. Meinen heutigen Ehemann. Geht also doch irgendwie – Beruf, Bildung und Privatleben unter einen Hut bringen …

Die Abschlussprüfungen waren keine Glanzleistung von mir. Bestanden hatte ich, aber es hätte deutlich besser sein können! Egal, denn ich hatte den „Wisch“ um weiterzumachen. Doch was brachten mir der Verzicht auf ein ausgelassenes Privatleben und der ganze Stress? Darüber konnte ich mir später noch den Kopf zerbrechen!

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Was mir durch die Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt aber schon mal (auf für den Job) enorm geholfen hatte: Selbst- und Zeitmanagement waren für mich definitiv keine „Fremdwörter“. Denn auf Organisation kommt es bei dem ganzen Drum rum an. Zumindest, wenn man nicht durchdrehen möchte. Außerdem hatte ich bewiesen (mir selbst und meinem Chef), dass ich „Biss“ habe und auch in schwierigen Phasen durchhalte.

Aber das war noch immer nicht Alles …

Wie es nach dem Wirtschaftsfachwirt für mich weiterging

Nach dem Wirtschaftsfachwirt war ja der ursprüngliche Plan, dass ich den Betriebswirt mache. Auch bei der IHK. ABER: Kurz vor meinem Abschluss hatte ich erfahren, dass ich mit dem Fachwirt eine studienfachliche Anerkennung erlangen kann. Das heißt, ich durfte an einer Hochschule auf meinem Gebiet (Betriebswirtschaft) studieren, sofern mich eine annahm.

Ich recherchierte also wild drauf los und fand verschiedene Möglichkeiten. Fernstudium für einen Bachelor-Studiengang fiel für mich weg. Das traute ich mir einfach nicht zu. Immerhin sprachen wir hier von gut drei Jahren. Also suchte ich mir eine Hochschule in der Nähe aus, die ein berufsbegleitendes Studium zum Bachelor of Arts (B. A.) in Betriebswirtschaft anbot. In Präsenzphasen.

Und so verschlug es mich nach dem Wirtschaftsfachwirt an die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Wo ich meinen Abschluss mit tollen Noten durchziehen konnte.

Und heute? Heute arbeite ich noch immer als Angestellte in dem Unternehmen, in dem ich schon meine Ausbildung abgeschlossen hatte. Mit anderen (höherwertigeren) Aufgaben – und längst auch mit anderem Chef. Immerhin sind schon ein paar Jahre ins Land gestrichen. Nach Wirtschaftsfachwirt und B. A. Studium setzte ich übrigens noch ein Fernstudium zur Journalistin und ein Fernstudium zur Mediatorin oben drauf, wagte den Schritt in die Selbstständigkeit (als Texterin) und veröffentlichte zuletzt im November 2017 mein erstes Buch.

Ja. Ich habe verdammt viel erlebt. Erfahrungen gesammelt. Und am Ende mein Wissen genutzt, um ein Stück Selbstverwirklichung zu erreichen. Ganz ehrlich: Ich kann jedem nur empfehlen, sich weiterzubilden. Ich selbst habe aus der ganzen Bildung nämlich so viel mitgenommen, dass ich mir heute nicht nur stolz selbst auf die Schulter klopfe, sondern auch glücklich und zufrieden mit dem bin, was ich habe. Ich würde also alles genauso wieder machen, wenn ich vor der Wahl stehen würde!

 

Foto: © Martina Brunow Fotografie

 

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