[Rezension] Wir waren hier (Nana Rademacher)

Nana Rademacher entführt ihre Leser in Wir waren hier in die nahe Zukunft: Im Jahr 2039 kämpft die 15-Jährige Anna in Berlin zunächst ums nackte Überleben, bis sie die Liebe findet und schließlich für Freundschaft und eine bessere Zukunft kämpft.

Near Feature Science Fiction für Leser ab 14 Jahre!

Wir waren hier - Nana RademacherAutor: Nana Rademacher
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978-3-473-40139-0
Preis für Hardcover: 14,99 €
Altersempfehlung: Ab 14 Jahre

Wofür lohnt es sich, zu kämpfen?

Die studierte Sozialpädagogin Nana Rademacher arbeitet seit 2001in der Redaktion des Südwestrundfunks (für Hörspiel, Feuilleton und Musik). Zuvor war sie als Regieassistentin und Lektorin beim NDR tätig. Heute lebt Nana Rademacher in Stuttgart und arbeitet als freie Autorin. Mit Wir waren hier gelang ihr die Veröffentlichung eines mitreißenden Jugendromans, der zum Nachdenken anregt.

Worum es bei Wir waren hier geht

Naturkatastrophen und von Menschenhand gemachte Katastrophen haben den dritten Weltkrieg heraufbeschwört, der schon seit Längerem im Gange ist. Heute schreiben wir das Kahr 2039 und befinden uns mitten in Berlin, wo Hunger, Kälte, Angst und Tod an jeder Ecke lauern. In der vom Militär beherrschten Welt befindet sich auch die 15-jährige Anna, die zunächst nur ums Überleben kämpft – später jedoch auch für die Liebe, Freundschaft und Hoffnung.

Was den Leser bei Wir waren hier erwartet

Wir waren hier lässt sich flüssig lesen. Nana Rademacher verzichtet auf übertriebene Personenbeschreibungen. Erst nach und nach hebt sie die äußeren Merkmale der Charaktere heraus. Vielmehr geht sie auf Orte, Ereignisse und Charaktereigenschaften ein, die für Wir waren hier auch eine weitaus wichtigere Bedeutung haben. Der Leser kann außerdem die (Weiter-) Entwicklung der Protagonistin Anna sehr gut miterleben. Zu Beginn (auf Seite 46) führt Anna eine Unterhaltung mit ihrem Vater. Er fordert sie auf, sich eine Welt vorzustellen, in der sie gerne leben würde. Die Gedanken von Anna auf diese Frage: „Weiß ich doch nicht! Ich finde die Welt ganz okay, wie sie ist. […]“

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Bis zu diesem Gedankengang hat der Leser bereits die grausame Welt der Kriegszeit, in der sich Anna befindet, kennengelernt. Der Gedanke, dass eine von Leid und Angst beherrschte Welt okay ist, in der man um das nackte Überleben kämpft, scheint zunächst abwegig. Doch wie abwegig ist es wirklich, wenn man bis dahin keine andere Welt (richtig) kennenlernen durfte?

Verschiedene, teils sehr emotionale, Ereignisse sorgen allerdings für ein Umdenken und einen Wandel, den Anna durchlebt. Kämpft sie anfangs rein um das Überleben, sehnt sie sich zunehmend nach dem Leben – und einer besseren Welt. Nicht zuletzt auch wegen einer besonderen Freundschaft, die sie mit der kleinen Santje verbindet – und natürlich wegen der Liebe, die sie mit Ben kennenlernt.

Die abenteuerliche Geschichte von dem Mädchen das überleben möchte und sich eine (bessere) Zukunft wünscht ist zwar leicht zu lesen, regt aber dennoch zum Nachdenken an. Viel Fantasie benötigt es nicht, sich eine vom Militär beherrschte Regierung vorzustellen, die nach dem nächsten Weltkrieg entstehen könnte. Wir waren hier kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen – nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene mit einer Vorliebe für Jugendliteratur und Near Future Science Fiction.

Wir waren hier findet man in der Jugendliteratur für Leser ab 12 Jahre. Die Altersempfehlung ist jedoch eher auf 14- bis 17-Jährige ausgelegt. Gewalt und Tod können für viel Erklärungsbedarf und Unverständnis bei jüngeren Lesern sorgen, weshalb ich einem 12-Jährigen das Buch nicht sorglos in die Hand geben würde.

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