Wie ich Texterin wurde & meine Erfahrungen mit Textbörsen

Seit Juli 2015 gehöre auch ich dazu – zu den Frauen in der (wirtschaftlichen) Selbstständigkeit. Angefangen hat alles mit meinem Fernstudium zur Journalistin. Mit dem Schreiben Geld verdienen war dann mein Ziel. Und so wurde ich zunächst auf verschiedene Textbörsen aufmerksam.

Textbörsen ixabay.com © FirmBee (CC0 Public Domain)

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Was sind Textbörsen und wer nutzt sie?

Ich hatte zwar keine Erfahrung, dafür aber jede Menge Energie. Bei meinen Recherchen, wie ich mit dem Schreiben Geld verdienen kann, bin ich auf die drei Textbörsen „Textbroker„, „Content“ und „Greatcontent“ gestoßen. Diese drei gehören vermutlich zu den bekanntesten Textbörsen im Netz. Doch wer sich auf die Suche begibt, findet noch deutlich mehr. Ablauf und Hintergrund bei den drei Textbörsen „Textbroker“, „Content“ und „Greatcontent“ sind nahezu gleich. Als eine Art „Marktplatz“ treffen sich hier Auftragnehmer (zum Beispiel Unternehmen) und Auftragnehmer (Autoren). Die Vergabe und Bearbeitung der Textaufträge bleiben allerdings anonym. Möchte man als Autor für eine der Textbörsen schreiben, erfolgt zunächst ein simpler Registrierungsprozess:

  1. Registrierung auf der Plattform und Einreichung eines „Bewerbungstextes“.
  2. Prüfung und Bewertung des „Bewerbungstextes“ durch die Textbörse. Hier geht es zum Beispiel um Rechtschreibung, Grammatik und Stil des Autors.
  3. Einstufung des Autors durch die Textbörse (bei den drei Textbörsen erfolgt dies durch die Vergabe von „Sternen“. Je mehr Sterne ein Autor erhält, desto höher ist auch die Vergütung seiner Texte.)

Neben den Autoren registrieren sich bei den Textbörsen auch Kunden. Das sind zum Beispiel Unternehmen, die Produktbeschreibungen für ihre eShops oder Blogbeiträge für ihren Corporate Blog für ihre (meist) Online-Medien benötigen. Zusammen mit einem Briefing für die Autoren reichen die Kunden ihre Textaufträge auf der Plattform ein. Die registrierten Autoren, die der gewünschten Sterne-Kategorie des Kunden entsprechen, schnappen sich die Aufträge, schreiben die Texte und reichen den fertigen Auftrag fristgerecht ein. Der Kunde nimmt den Text ab und der Autor erhält seine Vergütung. Das ist das Grundprinzip der Textbörsen. Den genauen Ablauf erkläre ich gleich bei meinen Erfahrungen, die ich bei den drei Textbörsen „Textbroker“, „Content“ und „Greatcontent“ gemacht habe.

Meine Erfahrungen mit Textbroker

Auftragslage und Vergütung empfand ich bei Textbroker am schlechtesten. Nicht mal einen Cent je Wort habe ich hier eingenommen – dafür aber anspruchsvolle Themen bearbeitet. Wo ich etwas mehr bekam war bei den Teams-Orders. Hier vergeben Kunden ihre Aufträge ausschließlich an ausgewählte (Team) Autoren. Mein Bauchgefühl sagt mir aber auch, dass es bei Textbroker nicht besonders gut läuft. Verschiedene Textaufträge sind hier oft tagelang durch Autoren unberührt. Dadurch müssen die Kunden länger auf ihre Texte warten – und der „Flow“ von neuen Themen wirkt schleppend.

Mit meiner 3-Sterne-Kategorie konnte ich nur schlecht bezahlte Aufträge ergattern. Allerdings wirbt Textbroker damit, dass man sein Ranking durch abgeschlossene Textaufträge verbessern kann. Angeblich prüft und bewertet Textbroker alle abgeschlossenen Textaufträge. Dadurch ergeben sich neue Mittelwerte, die als „neue“ Sterne-Zuordnung offiziell ausgewiesen werden sollen. Bei mir wurden die ersten zwei Textaufträge tatsächlich bewertet und ein Feedback dazu gegeben. Das war´s dann aber auch schon wieder. Ein paar Monate wartete ich vergeblich auf weitere Bewertungen. Irgendwann kam dann eine automatisierte Info-Mail von Textbroker, dass das Team der Masse an Texten nicht nachkommt und daher alle noch nicht bewerteten Texte automatisch mit der bisherigen Sterne-Einstufung versieht. Der Anreiz, Erfahrung durch Feedback zu sammeln, war daher für mich vollständig verschwunden.

Das war das letzte Mal, dass ich mich bei Textbroker angemeldet hatte. Da ich seit mehreren Monaten keine Aufträge bearbeitet habe wurde ich vielleicht sogar noch weiter herab gestuft. Das weiß ich allerdings nicht und möchte mir auch ungern die Mühe machen, nachzusehen. Denn nach der Aktion der „wir geben euch kein Feedback und lassen alles, wie es ist“ habe ich nur wenig Interesse daran, mich noch einmal anzumelden.

Mein Mini-Fazit zu Textbroker: Viel Arbeitsaufwand für wenig Geld – ohne besondere Möglichkeiten in der Vergütung aufzusteigen. Daher kann ich Textbroker leider nicht weiterempfehlen.

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Meine Erfahrungen mit Content

Bei Content scheint es deutlich besser zu laufen. Hier muss man sich beeilen, um gute Aufträge zu erhaschen. Denn: Binnen Sekunden werden die Textaufträge, die für alle Texter der gewünschten Sterne-Kategorie des Kunden sichtbar sind, angenommen. Textaufträge habe ich hier bewusst nie länger als ein paar Minuten auf der Plattform gesehen. Obwohl ich auch nur drei Sterne durch meinen Eingangstext hatte war die Vergütung bei Content etwas besser als bei Textbroker. Noch immer kein Reißer, aber immerhin über einem Cent je Wort.

Auch Content wirbt mit Feedback und der Sterne-Hochstufung, sofern sich die Qualität der Texte nachhaltig verbessert. Und siehe da: Hier bekam ich tatsächlich gutes und hilfreiches Feedback – inklusive einer Hochstufung der Sterne. Allerdings auch nur zweimal (dennoch mehr als bei Textbroker).

Mein Mini-Fazit zu Content: Wer Erfahrungen als Texter sammeln möchte, kann sich ruhig bei Content registrieren. Feedback ist für die persönliche Weiterentwicklung Gold wert und auch ein Verbesserungspotenzial bezüglich des Ranking ist bereits nach relativ kurzer Zeit möglich.

Meine Erfahrungen mit Greatcontent

Vielleicht ist die Plattform Greatcontent einfach noch nicht bekannt genug. Nach meinem Gefühl ist die Vergütung für Texter hier am besten. Allerdings habe ich kaum Aufträge zur Bearbeitung gefunden. Die Themen- und Textvielfalt ist bei Content und Textbroker deutlich höher, weshalb mir die höhere Vergütung (knapp über ein Cent je Wort) nicht besonders viel brachte. Feedback kam auch vereinzelt, wodurch ich ein paar Tipps für die Erstellung von Meta Descriptions bekam. Das war hilfreich und gut!

Mein Mini-Fazit zu Greatcontent: Für Einsteiger eine gute Variante um Erfahrungen als Texter zu sammeln. Allerdings müssen einem die begrenzten Themen liegen.

Warum ich mich bei den Textbörsen angemeldet habe und wie es bei mir weiter ging

Ich hatte ja gar keine Erfahrungen als Texterin. Das laufende Fernstudium brachte mir zwar das Handwerk nach und nach bei – aber Praxis fehlte mir vollständig. Mit den versprochenen Feedbacks der Textbörsen hatte ich mir erhofft, die fehlende Erfahrung zu sammeln und mich direkt zu verbessern. Da das Feedback jedoch sehr überschaubar war und mir nicht wirklich half, machte ich mich auf dem freien Markt auf die Suche nach Kunden. Schon drei Monate nach meiner Selbstständigkeit hatte ich fünf Kunden, für die ich regelmäßig Texte schrieb. Hier gab es nun auch keine Dumping-Löhne mehr. Stattdessen griffen die am Markt üblichen und fairen Preise.

Kurzum: Die Textbörsen sind wegen dem Feedback für unerfahrene Texter tatsächlich hilfreich. Wer sich jedoch behauptet hat, bleibt hier oft nicht lange bestehen. Entsprechend greifen Auftraggeber vermehrt auf Anfänger zurück, weshalb ich die günstigen Preise durchaus verstehen kann. Dennoch versauen diese Preise den Markt. Müsste ich dauerhaft von ein bis zwei Cent je Wort leben, könnte ich schon bald Arbeitslosengeld beantragen. Diese Preise sind weder gerechtfertigt noch realistisch. Und Auftraggeber, die auch am freien Markt auf diese Preise hoffen, brauchen weder Qualität noch Verstand hinter den Texten erwarten. Wie bei vielen anderen Produkten greift übrigens auch hier oft der Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal“.

13 Comments

  • Katta Januar 15, 2017 at 2:34 pm

    Für den Einstieg klingt es spannend. Aber davon Leben zu können, scheint undenkbar!

    Reply
    • Anjulie Januar 15, 2017 at 2:52 pm

      Liebe Katta, das stimmt (leider). Um Erfahrungen, zum Beispiel für SEO-Texte, zu sammeln, ist das sicher eine gute Sache. Aber ich würde auch jedem raten, schnell wieder den Absprung zu schaffen – und sich auf dem freien Markt zu etablieren.

      Reply
  • Harald Adam Juli 12, 2017 at 5:08 pm

    Sehr gute Hinweise zu den verschiedenen Textbörsen.
    Es grüßt Harald Adam aus Oberhausen

    Reply
    • Anjulie Juli 13, 2017 at 6:42 am

      Vielen Dank für Deinen Kommentar – schön, wenn der Beitrag für Dich hilfreich war 🙂

      Reply
  • Bill August 27, 2017 at 1:53 am

    Danke für diesen interessanten und sehr hilfreichen Artikel!

    Du schreibst, dass Du Dich bald auf dem freien Markt auf die Suche nach Kunden begeben hast. WIE? Magst Du noch kurz davon berichten, welche Wege Du da gegangen bist?
    Liebe Grüße, Bill

    Reply
    • Anjulie August 29, 2017 at 6:33 am

      Hallo Bill, da bereite ich gerne einen Beitrag vor und versuche, ihn nächste Woche hier online zu stellen 🙂

      Reply
      • Bill August 30, 2017 at 1:19 am

        Super, ich freue mich darauf!
        Danke – 🙂

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        • Anjulie September 1, 2017 at 11:48 am

          Gerade online gestellt … falls du vorbei schauen möchtest 🙂

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      • Viki September 1, 2017 at 10:51 am

        Das interessiert mich auch sehr!! Freue mich schon auf den Artikel.

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        • Anjulie September 1, 2017 at 10:56 am

          Ich bin dran 😉

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  • Britta September 6, 2017 at 10:42 pm

    Danke für die beiden Artikel. Sehr interessant. Ich denke auch gerade darüber nach, in dem Bereich tätig zu werden. Wo hast du denn Journalismus studiert und warst du zufrieden?

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    • Anjulie September 8, 2017 at 7:40 am

      Hallo Britta, ich war per Fernstudium bei der Hamburger Akademie. Alles in allem war ich ganz zufrieden. Allerdings sind die Lehrbriefe für meinen Geschmack teilweise zu oberflächlich. Heißt, ich musste nebenbei noch das www mit dazuholen um Praxisbeipsiele zu lesen oder tiefere Erklärungen zu finden. Dennoch bin ich bisher davon überzeugt, dass mir das Fernstudium geholfen hat, mein Schreiben zu verbessern – und kann das Fernstudium guten Gewissens weiterempfehlen 😉

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  • Bernhard Desch September 8, 2017 at 2:48 pm

    Sehr interessante Übersicht! Habe auch vor kurzem auf content angefangen, möchte aber so schnell wie möglich, „richtige“ Kunden bekommen. Da muss ich beim neuen Beitrag gleich vorbeischauen! 🙂

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