Wenn Mütter arbeiten gehen – ein Statement

Wenn Mütter arbeiten gehen, gibt es auch heute noch oft einen Aufschrei. Die Rabenmutter, die lieber arbeitet, als Zeit mit ihrem Kind zu verbringen. Furchtbar! Aber warum eigentlich? Predigen Arbeitgeber und Medien nicht dauernd von Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Mütter arbeiten pixabay.com © Unsplash (CC0 Public Domain)

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Dass Mütter arbeiten, passt nicht ins klassische Rollenbild!

Die gute Ehefrau und Mutter ist zu Hause, kümmert sich um Haushalt und Kinder – und verwöhnt ihren gestressten Ehemann, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. So zumindest sah es 1955 noch aus, als das Handbuch für die gute Ehefrau veröffentlicht wurde. Die Rollenbilder im Familienalltag waren hier klar geregelt – und getrennt: Er geht arbeiten. Sie kümmert sich um den Rest!

An diesem klassischen Rollenbild hat sich bis heute oft auch nur wenig geändert. Nach wie vor gelten arbeitende Mütter als verrückt, wenn nicht sogar als Rabenmutter. Schließlich soll die Mutter als brave Hausfrau für ein Luxusleben der übrigen Familienmitglieder sorgen. Vernachlässigen darf sie dabei natürlich nicht ihr Äußeres und soll mit einem ständig strahlenden Lächeln durch die Welt schreiten. Immerhin ist die Erfüllung des Kinderwunsches und der eigenen kleinen Familie ja auch ihr absolutes Glück und die Erfüllung ihres Lebens. Zufrieden soll sie sein mit dem, was sie hat!

Was Stimmen gegen arbeitende Mütter sagen

pixabay.com © Jo-B (CC0 Public Domain)

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Dass Mütter arbeiten, soll eine Schande sein. Gerade noch akzeptabel ist es, wenn Mamas mit 15 oder 20 Stunden die Woche etwas Geld für die Familienkasse dazu verdienen. Geld wächst ja nicht auf Bäumen und zu viel davon haben auch nur die Wenigsten. Dass aber Mütter arbeiten und ihren Alltag mit einer Vollzeitstelle füllen, geht auch heute noch einigen Traditionsbewussten ordentlich gegen den Strich. Den großartigsten Kommentar dazu habe ich vor einigen Jahren gehört. Natürlich von einem Mann. Während der Pause im Büro:

„Wenn Frauen daheim bleiben und sich um Haus und Kinder kümmern würden, wären alle Probleme gelöst. Die Geburtenrate würde steigen, wir hätten später mehr Zahler für die Rentenkasse, es gäbe weniger Stau auf den Straßen und die Arbeitslosigkeit würde zurückgehen!“

An sich konnte ich den Kollegen nachvollziehen. Nur das mit dem Stau musste er mir genauer erklären: „Ist doch klar: Wenn Frauen daheim bleiben, fahren weniger Autos auf den Straßen und es gibt weniger Stau.“

Klar, Kollege! Auch den Punkt konnte ich dann nachvollziehen. Verstehen konnte ich allerdings keinen der Punkte. Und ich fragte mich, was bei dem „jungen“ Mann im Leben schief gelaufen ist, dass er auf so eine Weltanschauung kommt.

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Was spricht dafür, dass auch Mütter arbeiten?

Das Leben wird immer teurer. Wer nicht auf jegliche Art von Luxus verzichten möchte – und dazu gehören immerhin auch schon Kinobesuche oder Wochenendausflüge ins Freibad oder zum Mini-Golf – ist mittlerweile oft auf zwei Einkommen angewiesen. Rein finanziell betrachtet hat es also Vorteile, dass Mütter arbeiten. Wer dennoch aufschreit und auf Themen wie

  • Vernachlässigung der Kinder,
  • Vernachlässigung des Haushalts,
  • Egoismus der Frauen,

oder ähnliches kommt, dem sollte folgendes bewusst sein:

Wenn der Nachwuchs erst da ist – egal ob „versehentlich“ oder Wunschkind – hört die Frau nicht auf, Frau zu sein! Sind Hausfrau und Mutter tatsächlich die Erfüllung des Lebens einer Frau, spricht natürlich nichts dagegen, dass sie das klassische Rollenbild lebt und in ihrer neuen Rolle aufblüht. Möchte die Frau jedoch trotz Kind arbeiten gehen, sollte auch hier nichts dagegen sprechen. Solange sie ihr Kind während der Zeit nicht im Keller einsperrt, kann wohl kaum von grober Vernachlässigung die Rede sein.

Wenn Mütter arbeiten – ein Blickwechsel

Es gibt zwei Seiten: Pro und Contra – eine Grauzone gibt es in der Regel nicht. Die einen befürworten, dass Mütter arbeiten gehen. Die anderen sind strikt dagegen. Wenn man beide Seiten durchleuchtet, entsteht ein kleiner Blickwechsel. Eine Änderung der Perspektive, die vielleicht für mehr Verständnis sorgt – auf beiden Seiten:

Die Pro-Seite: Es gibt einige Dinge, die dafür sprechen, dass Mütter arbeiten gehen. Die Befürworter sprechen hier allerdings ganz unterschiedliche Punkte an, zum Beispiel:

  • Die Frau kann ihr volles Potenzial ausschöpfen,
  • Unterhaltungen drehen sich nicht nur um Windeln, Sabbern oder Schläfchen machen,
  • Intellektuelle Unterhaltungen mit anderen Erwachsenen sind im Berufsalltag möglich,
  • Im Job findet die Mutter Abwechslung zu ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter,
  • Wenn Mütter arbeiten ist auch Ausschöpfung von Potenzial die Selbstverwirklichung im Job möglich,
  • Ist die Frau ausgeglichen, ist sie auch mit sich und der Welt im Reinen, was dem Familienleben zu Gute kommt.

Die Contra-Seite: Nicht nur die Befürworter, auch die Gegner führen verschiedene Punkte an, weshalb Mütter nicht arbeiten sollten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Erzieher in Kita und Kindergarten können sich nicht ausreichend um die Kinder kümmern,
  • Der Haushalt liegt brach und kann verkommen,
  • Arbeitende Mütter haben keine Zeit, täglich frisch zu kochen und ihre Familie gesund zu ernähren.
  • Wenn Mütter arbeiten, tragen die Kinder emotionale Schäden davon,
  • Das Familienleben ist harmonischer, wenn Mütter daheim bleiben,
  • Wenn Mütter arbeiten, bekommen die Kinder nicht genügend Aufmerksamkeit und Liebe.

Packen Mutter und Vater gleichermaßen bei Haushalt, Erziehung und Kinderbetreuung mit an, sollte es problemlos möglich sein, dass auch Mütter arbeiten. Zieht ein Elternteil aber nicht richtig mit, können tatsächlich auch Argumente der Contra-Seite greifen. Dennoch gilt grundsätzlich, dass es zum Thema „Wenn Mütter arbeiten gehen“ kein Richtig oder Falsch gibt. Den persönlichen Lebensstil sollten alle Elternpaare so für sich gestalten, dass alle Familienmitglieder damit glücklich und einverstanden sind. Leben und leben lassen sollte außerdem die Devise sein, wenn es um andere Lebensstile geht. Ob Mütter arbeiten oder nicht, sollte auch die Gesellschaft ganz als Entscheidung der Eltern akzeptieren und respektieren.

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