Testleser werden & finden

Testleser sind für Autoren bares Gold wert. Denn ihr Urteil kann Aufschluss geben, ob das geschriebene Buch noch Lücken aufweist oder für die Öffentlichkeit bereit ist. Wie Du Testleser werden kannst oder Testleser für Dein Buch findest, erfährst Du hier!

Testleser pixabay.com © kaboompics (CC0 Public Domain)

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Nach vielen Monaten und Korrekturschleifen legt Hannah zufrieden ihr Meisterwerk beiseite. Ihr Erstling, ein Roman über eine verdrehte Liebesgeschichte zwischen Freunden, ist endlich fertig. Lächelnd streift sie durch ihr Arbeitszimmer. Sie sieht aus dem Fenster und nippt an ihrem Tee – und ihre Gedanken kreisen weiter um ihren Roman. Soll sie es wagen? Soll sie damit bei Verlagen und Agenturen hausieren gehen? Oder fehlt noch ein Schritt, bevor sie den Mut dazu fasst? Ihre Mutter, ihre beste Freundin und ihr Mann waren Testleser und finden die Geschichte fantastisch. Dann sollte das doch auch bei Verlagen der Fall sein – oder etwa nicht?

Testleser als wichtiger Erfolgsfaktor

Buch schreiben & Anfang finden pixabay.com © markusspiske (CC0 Public Domain)

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Die wenigsten Autoren treten an Verlage und Agenturen heran, ohne auch nur einem Menschen zuvor das Manuskript zu zeigen. Oft handelt es sich bei diesen Testlesern, wie auch in Hannahs Fall, um Familie und Freunde. Und hier passiert es selten, dass eine möglicherweise vernichtende Kritik aufkommt. Zu eng ist man miteinander verbunden und zu groß die Angst, den Autor mit dem Feedback zu verletzen. Für einen ersten Eindruck sind Freunde und Familie eine gute Wahl. Doch wenn es ernst wird, eigenen sich „anonyme“, fremde Testleser für eine offene und ehrliche Meinungsäußerung besser. Über Testleser können Autoren wichtige Meinungsbilder in Erfahrung bringen. Und sie können ihre Geschichte neu formen:

  • Inhaltliche Ergänzungen können helfen, den roten Faden aufrecht zu erhalten
  • Ausgefeilte Spannungsbögen, die möglicherweise bisher gefehlt haben, sorgen im Roman für den besonderen Kick
  • Unverständliche Formulierungen kann man klarer und deutlicher treffen
  • Inhaltliche Lücken können gefüllt werden
  • Orte oder Figuren kann der Autor mehr oder weniger ausschmücken

Oft sind es nur Kleinigkeiten, die dem Roman fehlen, um ein fesselndes Leseerlebnis zu sein. Doch genau diese Kleinigkeiten können letztendlich auch zum entscheidenden Erfolg beitragen.

Testleser suchen und finden – und dann?

Autoren sollten die Chance nutzen, durch Testleser mehr über ihre eigenes Werk und ihr Können zu erfahren. Wer Testleser sucht, kann hier auf ganz unterschiedliche Weise vorgehen. Und wer sucht, der findet in der Regel auch – zum Beispiel

  • in Foren,
  • auf Social Media Kanälen wie Facebook
  • auf Themenblogs
pixabay.com © kaboompics (CC0 Public Domain)

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Eine andere Möglichkeit ist es, über Familie und Freunde neue Testleser zu finden. Sicher findet sich im Freundes- und Familienkreis auch der eine oder andere, der sich zum Testlesen bereit erklärt.
Wichtig beim Umgang mit Testlesern ist die Kritikfähigkeit des Autors. Die Rückmeldung der Testleser ist nicht böse oder vernichtend gemeint. Sie soll hauptsächlich dazu dienen, dem Buch den letzten Schliff zu geben. Erhält der Autor mehr negative als positive Kritik, kann das frustrierend sein. Allerdings sollte der Autor

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  • seinen Testlesern mit Respekt begegnen, da sie sich die Zeit für das Lesen und Feedback genommen haben.
  • nicht in eine sture Verteidigungshaltung gehen und das Feedback der Testleser annehmen.
  • die Kritik auf sich wirken lassen und entscheiden, ob die Änderungsvorschläge annehmbar sind oder nicht.
  • negative Kritik nicht als „persönliche Beleidigung“ auffassen.

Wer das Feedback ernst nimmt und versucht, dieses mit einem externen Blick auf das geschriebene Buch zu projizieren, kann sein Werk zum Meisterwerk verwandeln.

Testleser werden

Es gibt zahlreiche Foren, Social Media Seiten und Themenblogs, über die man zum Testleser werden kann. Doch auch Verlage oder andere kommerzielle Institute sind häufig auf der Suche nach Testlesern. Wichtig zu wissen ist, dass es über die „private Vermittlung von Testlesern“ oft Werke von unbekannten Autoren zum Testen angeboten werden. Das heißt, dass es sich um Anfänger und Einsteiger handelt, die man schlecht mit den größten literarischen Künsten vergleichen kann. Als Testleser kann man aber genau diese Autoren besonders unterstützen. Mit ehrlichen und hilfreichen Tipps zu Sprache, Stil und Inhalt können sich die Autoren ideal weiterentwickeln. Unabhängig davon für wen man Testleser ist, sollte man sich hier an bestimmten Verhaltensweisen orientieren:

pixabay.com © MariaGodfrida (CC0 Public Domain)

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  1. Testleser sollten nur Bücher annehmen, für deren Genre sie sich interessieren. Kann man grundsätzlich mit einem Thriller nichts anfangen, gilt das auch für das für das Buch, das einem als Testleser angeboten wird. Und damit kann die Kritik oft schlechter ausfallen, als eigentlich gerechtfertigt wäre.
  2. Ehrlichkeit und Offenheit sind oberstes Gebot – allerding gilt: Auch wenn die Story oder der Stil nicht überzeugen konnten, bleibt der respektvolle Umgang bestehen (keine Beleidigungen oder persönliche Angriffe)!
  3. Das Feedback sollte sachlich geschildert sein. Stärken gehören dabei genauso zum Feedback, wie Schwächen, die man persönlich in dem Buch sieht.
  4. Testleser sollten nicht Monate für das Lesen aufbringen. Der Autor ist gespannt und wartet sehnsüchtig auf das Feedback. Sicher muss nicht binnen weniger Tage alles gelesen und kommentiert sein. Doch ein gewisses Maß an flotter Vorgehensweise ist sicher nicht verkehrt. Am besten spricht man sich vorher ab, wie viel Zeit man voraussichtlich braucht oder wann das Feedback „spätestens“ benötigt wird. Gibt es hier Konflikte, kann man das Testlesen auch ablehnen. Schließlich soll es ja Spaß machen und nicht zur stressigen und unangenehmen Pflicht ausarten.

 

Beispielhafte „Adressen“ für Testleser im Überblick

Testleser werden und finden kann man inzwischen über ganz unterschiedliche Anbieter und Kanäle. Wer auf der Suche ist, kann sich zum Beispiel bei diesen drei Plattformen umsehen. Hier kann man sowohl Testleser werden, als auch finden:

  1. Die Facebook Gruppe Börse Korrektorat, Lektorat und Testleser – Suche und Biete (Öffentliche Gruppe) möchte den Austausch zwischen Autoren und Testlesern / Lektoren / Korrektoren ermöglichen.
  2. Die Verlagsgruppe Random House ist immer wieder auf der Suche nach Testlesern. Interessenten können sich auf aktuelle Projekte bewerben – und mit etwas Glück Testleser werden.
  3. Test-Lesen.de stellt eine Plattform zur Verfügung, bei der man sein Manuskript hochladen – und Feedback von Testlesern erhalten kann. Das Prinzip verfolgt den Leistungsaustausch: Wer sein Manuskript hoch lädt, sollte im Gegenzug auch als Testleser für andere Manuskripte einspringen.

Feedbackregeln für den erfolgreichen Abschluss

Nicht nur Autoren, auch Testleser sollten sich an bestimmte Feedbackregeln halten. Die vermutlich wichtigsten Regeln sind die Kritikfähigkeit und der respektvolle Umgang. Hält man diese Feedbackregeln ein, kann der Autor sein Manuskript zum erfolgreichen Abschluss bringen.

Hannah hat übrigens Testleser gesucht und gefunden. Unabhängige Leser, die keinen persönlichen Bezug zu ihr haben – und ihr bedenkenlos Lücken und Fehler ihres Romans aufgezeigten. Dankbar hat Hannah jedes Feedback angenommen und die Liebesgeschichte ein weiteres Mal in Angriff genommen. Sie merzt nun Fehler aus, die sich in der Story eingeschlichen haben, packt erneut die Sprache an und gibt ihrer Geschichte den letzten Schliff, der bisher noch fehlte. Bleibt nur noch abzuwarten, wann sich Hannah an die Manuskriptvorstellung wagt – und ob der gewünschte Erfolg eintritt.

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