Rechtsformen für Existenzgründer [4]: OHG

Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) weist einige Parallelen zur GbR auf. Allerdings übt man mit ihr ein Handelsgewerbe aus und muss sich ins Handelsregister eintragen lassen. Was genau die OHG noch ausmacht und worauf Existenzgründer achten sollten, erklärt dieser Beitrag.

Voraussetzungen für eine Gründung der OHG

Mindestens zwei natürliche oder juristische Personen können sich zusammentun und eine Offene Handelsgesellschaft gründen. Es reicht ein formloser Gesellschaftsvertrag, der nicht notariell beurkundet werden muss. Im Vertrag legen die Parteien den Zweck der OHG fest und folgen diesem. Bis hierhin besteht die Offene Handelsgesellschaft jedoch nur im Innenverhältnis. Für eine rechtliche wirksame Vertretung nach außen, muss die OGH erst im Handelsregister eingetragen sein. Ab dann gelten die Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB).

Die OHG im Überblick

Für die OHG herrscht freie Namenswahl. Wichtig ist, dass sie als solche zu erkennen ist und den Zusatz „OHG“ oder „Offene Handelsgesellschaft“ trägt. Außerdem gelten für die Offene Handelsgesellschaft folgende Randbedingungen:

  • Anmeldung möglich durch: Natürliche oder juristische Personen
  • Anmeldung erforderlich bei: Finanzamt, Gewerbeamt, Handelsregister
  • Anzahl Gründer: Mindestens 2
  • Mindesteinlage / Kapital: Nicht vorgeschrieben
  • Gründungskosten: Gering
  • Eintragung ins Handelsregister: Ja
  • Haftung: Privat- und Geschäftsvermögen (unbeschränkte / volle Haftung), Haftung gesamtschuldnerisch
  • Entscheidungen durch: Einzelgeschäftsführung durch jeden Geschäftsführer, Bestellung von Prokuristen möglich
  • Vertretung möglich: Ja

 

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Infos und Besonderheiten zur OHG

Bei der Offenen Handelsgesellschaft haften alle Gesellschafter gesamtschuldnerisch und zwar sowohl mit dem Geschäfts- als auch mit dem Privatvermögen. Die Haftung kann nicht durch Vertrag für einzelne Gesellschafter begrenzt oder ausgeschlossen werden. Auch ausscheidende Gesellschafter haften noch bis 5 Jahre nach dem Ausscheiden für alle Entscheidungen, die bis zum Austritt getroffen wurden.

Als kaufmännischer Betrieb ist die OHG auch zur kaufmännischen Buchführung, also inklusive Bilanzierung und Gewinn- und Verlustrechnung verpflichtet. Hier sind neben den abgabenrechtlichen Bestimmungen auch die des HGB zu beachten. Alles Geschäfte des Unternehmens sind so zu dokumentieren, dass sich hieraus Art und Umfang des Geschäfts sowie die allgemeine Vermögens- und Erfolgslage des Unternehmens ergeben. Die diesen Geschäften zuzuordnende Korrespondenz sowie sämtliche Zahlungsbelege (Eingang und Ausgang) sind aufzubewahren. Zu Beginn der Geschäftstätigkeit und zum Ende eines jeden Geschäftsjahres ist ein Jahresabschluss zu erstellen.

Die Gründung einer OHG erfordert viel Vertrauen der Geschäftspartner untereinander, insbesondere dann, wenn nur einzelne Gesellschafter zur Geschäftsführung befugt sind.

Foto: © Martina Brunow Fotografie

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