Rechtsformen für Existenzgründer [2]: GbR

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) – oft auch BGB-Gesellschaft genannt – ist sozusagen die Mutter aller Personengesellschaften. Hierbei handelt es sich um die einfachste und am wenigsten präzisierte Rechtsform. Sie ist in der Regel keine eigenständige juristische Person, sondern gilt als eine Vereinigung von Personen, die auf einem Vertrag beruht. Die Grundlage für diesen Gesellschaftsvertrag bildet das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 705 BGB). Worauf bei der Gesellschaft bürgerlichen Rechts zu achten ist und wie sie sich charakterisiert, stellt dieser Beitrag vor.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts: Die GbR

Selbst die meisten Fahrgemeinschaften sind genau genommen eine GbR. Freiberufler nutzen diese Rechtsform oft, wenn sie sich zu einem bestimmten Zweck zusammenschließen. Sie ist jedoch keine Handelsgesellschaft. Ab bestimmten Umsatz- bzw. Gewinnschwellen verändern sich die Vorgaben übrigens teils so sehr, dass die Gründung einer OHG (Offene Handelsgesellschaft) häufig sinnvoller sein kann.

Voraussetzungen für eine GbR-Gründung

Die GbR ist wohl die am leichtesten zu gründende Rechtsform. Sie wird durch einfachen Vertrag gegründet. Eine notarielle Beurkundung ist dafür nicht notwendig. Und der Vertrag muss noch nicht einmal schriftlich fixiert werden. Er kann auch mündlich oder durch sogenanntes „konkludentes Handeln“, also stilschweigend abgeschlossen werden. Allerdings empfiehlt es sich, einen schriftlichen Vertrag notariell zu beurkunden. Das hilft insbesondere bei Rechtsstreitigkeiten und gibt allen Beteiligten mehr Sicherheit. Gerade bei mehreren Gesellschaftern werden im Vertrag auch Geschäftsführungsbefugnisse geregelt. Für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist kein Mindestkapital erforderlich. Wird dennoch etwas eingezahlt, kann dies durch Bareinlagen, Sachwerte oder sogar Dienstleistungen erfolgen.

Die GbR im Überblick

  • Anmeldung möglich durch: Juristische oder natürliche Personen
  • Anmeldung erforderlich bei: Gewerbeamt
  • Anzahl Gründer: Mindestens 2
  • Mindesteinlage / Kapital: Nicht vorgeschrieben
  • Gründungskosten: Gering
  • Eintragung ins Handelsregister (erforderlich?): Nein
  • Haftung: Gesamtschuldnerische Haftung, auch für das Privatvermögen der Gesellschafter
  • Entscheidungen durch: Gemeinsame Geschäftsführung der Gesellschafter, es sei denn, der Vertrag regelt etwas Anderes
  • Vertretung möglich: Ja

Die GbR muss sich zum einen als solche zu erkennen geben und zum anderen die Namen der Gesellschafter enthalten. Also zum Beispiel „Müller und Meier GbR“ oder „MuddisPudding Schröder, Herrmann und Schulze GbR“.

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Infos und Besonderheiten zur GbR

Die Geschäftsführung nur für bestimmte Gesellschafter, die Aufgabenverteilung oder der Vorbehalt einer mehrheitlichen Beschlussfassung sollten vertraglich geregelt werden. Eine Besonderheit gibt es mit Blick auf die Buchführung. Da die GbR eigentlich keine kaufmännische Tätigkeit ausführen kann, entfallen die Bestimmung ordnungsgemäßer Buchführung nach den handelsrechtlichen Bestimmungen. Es genügt eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nach den Bestimmungen der Abgabenordnung. Etwas komplizierter wird die Lage, wenn der Umsatz mehr als 260.000 Euro bzw. der Gewinn mehr als 25.000 Euro beträgt. Dann gilt eine Bilanzierungspflicht. Außerdem kann dann die Umfirmierung in eine andere Gesellschaftsform anstehen.

Ist die anstehende Existenzgründung als Einzelperson geplant, kann man beispielsweise das Einzelunternehmen als Rechtsform wählen. Hier ist allerdings klar geregelt, dass die Gründung durch ausschließlich eine Person erfolgt und auch, dass der Inhaber nur eine Person sein kann (das hat dann unter anderem Auswirkungen auf die Haftung).

Fotos: © Martina Brunow Fotografie

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