Kostenrechnung im Überblick

Die Kostenrechnung ist ein Controlling Instrument im Unternehmen, das zum internen Rechnungswesen gehört. Die Kostenrechnung selbst ist allerdings nur ein Begriff, der sich konkret auf drei untergegliederte Elemente bezieht: Die Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung. Wie genau die Definition zu den einzelnen Teilen der Kostenrechnung ist und wie sich die Elemente voneinander abgrenzen, stellt dieser Artikel vor.

Definition Kostenrechnung – ganz allgemein

Im Gegensatz zum externen Rechnungswesen richtet sich das interne Rechnungswesen an unternehmensinterne Kunden. In der Regel handelt es sich bei diesen internen Kunden um die Geschäftsleitung – abhängig von Unternehmensgröße und -strukur können die Adressaten auch unterschiedliche Hierarchieebenen bis zur Geschäftsführung hinauf sein. Im internen Rechnungswesen ist die Kostenrechnung angesiedelt. Die Begriffe „Kosten“ und „Rechnungswesen“ zeigen bereits, dass es sich um eine Disziplin aus der Betriebswirtschaft handelt, wobei das Berichtswesen im Fokus ist. Mithilfe von Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung können betriebswirtschaftliche Zahlen und Daten erfasst, ausgewertet, aufbereitet und analysiert werden – um so  für ein transparentes Reporting zu sorgen, auf dessen Basis das Management zum Beispiel Entscheidungen über strategische Ausrichtungen oder Neuproduktprojekte treffen kann.

Definition Kostenstellenrechnung

Bei der Kostenstellenrechnung, als Teilgebiet der Kostenrechnung, stehen die zuzurechnenden Kosten auf Basis der Kostenstelle im Vordergrund. Hat sich ein Unternehmen nach Kostenstellen strukturiert, hat jeder Bereich zum Beispiel eine eindeutige ID, die die Kostenstelle ausweist:

  • Forschung & Entwicklung (Kostenstelle 001)
  • Marketing (Kostenstelle 002)
  • Vertrieb (Kostenstelle 003)
  • Verwaltung (Kostenstelle 004), usw.

Kostenstellenkosten beziehen sich auf die sogenannten Gemeinkosten. Damit sind Kosten gemeint, die sich auf projektunspezifische Inhalte einer Kostenstelle beziehen (zum Beispiel Coaching, Möbel, Miete, Beiträge, Energie, etc.). Mithilfe der Kostenrechnung auf Basis der Kostenstelle lässt sich also ermitteln, in welchem Bereich Kosten in welcher Höhe angefallen sind.

Definition Kostenartenrechnung

In der Kostenrechnung findet die Kostenartenrechnung, die zur Ermittlung angefallener Kosten auf mengen- und wertmäßige Kostenarten zuzurechnen sind. Kostenarten sind zum Beispiel

  • Personalkosten,
  • Kosten für externe Dienstleister (zum Beispiel durch Outsourcing über Werkvertrag oder Dienstvertrag),
  • Materialkosten (für die Herstellung von Produkten)

Die Kostenartenrechnung zeigt demnach auf, für welche Kostenart welche Kosten in welcher Höhe angefallen sind.

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Definition Kostenträgerrechnung

Innerhalb der Kostenrechnung findet die Kostenträgerrechnung Anwendung, wobei der Kostenträger in der Regel ein konkretes Produkt aus dem Unternehmen ist, aber auch ein zeitlicher Ereignis sein kann. Die Kostenträgerrechnung unterscheidet sich dabei nach zwei Kriterien:

  1. Die Kostenträgerstückrechnung bezieht sich auf ein konkretes Projekt (Produkt oder Dienstleistung) das im Unternehmen hergestellt wird.
  2. Die Kostenträgerzeitrechnung ist eine zeitliche / periodische Betrachtung von angefallenen Kosten auf die Projekte.

Kostenrechnung in der Praxis

Eine reine Betrachtung von Kostenstelle, Kostenart oder Kostenträger kann zwar in bestimmtem Umfang für Entscheidungen unterstützen. In der Praxis lebt man allerdings in der Regel das Zusammenspiel aus allen drei Komponenten der Kostenrechnung. Mithilfe der Kostenstellenrechnung zeigt sich, in welchem Bereich die meisten Kosten anfallen. Gleicht man das mit den Einnahmen / Erträgen ab, können „unnötige“ Kostentreiber aufgedeckt werden. Dazu ist es allerdings notwendig zu prüfen, ob der Kostenstelle überhaupt direkte Umsätze zugewiesen werden können. Bei der IT oder dem Marketing fallen oft ausschließlich Kosten an. Die Einnahmen werden letztendlich über den Vertrieb generiert. Die Kostenarten- und Kostenträgerrechnung sind außerdem besonders attraktiv, wenn es um die Planung von Neuprojekten geht. Hat man bereits ein Berichtswesen über die Vorgängerprojekte aufgesetzt, lassen sich daraus Kostentreiber ableiten:

  • Wie hoch waren die Kosten für die Herstellung von Projekt X?
  • Für welche Kostenarten sind die meisten Kosten auf Projekt X angefallen?
  • Wie haben sich die angefallenen Kosten auf die Kostenstellen verteilt?

Hat man diese Fragen ausgewertet und analysiert, können Einsparungspotenziale für das Folgeprojekt abgeleitet werden, ohne einen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen. Waren zum Beispiel die Materialkosten für Projekt X extrem hoch, kann man prüfen, ob die hohen Kosten selbstverschuldet waren oder ob es am Lieferanten lag. Bietet der Markt einen entsprechend guten Wettbewerb, könnte man sich außerdem über einen Lieferantenwechsel nachdenken.

Mit der Kostenrechnung wirtschaftliche Erfolge sichern

Durch Erfassung, Aufbereitung, Auswertung und Analyse in der Kostenrechnung werden realisierte Projekte des Unternehmens anschaulich dargestellt. Die Interpretation vom dargestellten Zahlenmaterial der Kostenrechnung kann dazu verhelfen, den wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu sichern. Werden Kostentreiber in der Kostenrechnung aufgedeckt, lassen sich für homogene Nachfolgeprojekte effiziente Lösungen ableiten, um künftig die Kosten auf einzelne Kostenarten, Kostenstellen oder Kostenträger zu reduzieren.

Foto: © Martina Brunow Fotografie

1 Comment

  • Stefan September 2, 2016 at 2:10 pm

    Das ist durchaus ein erster schöner Überblick über die Kostenrechnung. Für den zweiten Blick ist jetzt z.B. http://www.wiin-kostenmanagement.de zu empfehlen, wo auch noch sehr übersichtlich der Einstieg in die Thematik vertieft und um die Kostensteuerung ergänzt wird.

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