Geburtsbericht [Teil 1]: Notkaiserschnitt in SSW 34

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag litt ich durchgängig. Ich fühlte mich unwohl und fand kaum in den Schlaf. Und die Vorsorgeuntersuchung von Donnerstag mit der Info, mein Kind wäre seit dem letzten Termin nicht gewachsen, machte mich nervös. Nie hätte ich damit gerechnet, dass das Ganze in einem Notkaiserschnitt endet …

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„Wenn es schlimmer wird können Sie ja ins Krankenhaus fahren!“

Nach einer unruhigen Nacht wartete ich am Freitag, 10.02.2017, darauf, dass die Praxis von meinem Frauenarzt öffnete. Um 9:30 Uhr hob endlich jemand ab. Ich klagte mein Leid. Sagte, mir ginge es nicht gut und dass ich einen erneuten Termin beim Arzt möchte. Keine Chance! Die Arzthelferin wimmelte mich am Telefon ab. Ich wäre schließlich erst am Vortag da gewesen. Und da wäre ja wohl alles in Ordnung gewesen. War es nicht. Das erklärte ich auch der Dame. Doch sie ließ mich dennoch nicht mit dem Arzt sprechen. Und an einen Termin war ebenfalls nicht zu denken. Stattdessen bekam ich folgende Aussage „Wenn es schlimmer wird können Sie ja ins Krankenhaus fahren!“

Ohne mit einem Arzt zu sprechen legte ich also auf. Nach einer Weile ging es mir besser und mein Mann entschied, für einen Termin ins Büro zu fahren. Warum auch nicht – ich fühlte mich ja gut und der errechnete Geeburtstermin Mitte März war noch in weiter Ferne. Doch kaum war mein Mann in seinem Termin wurde mir wieder übel. Irgendwie unheimlich. Allein zuhause. Und ich war mir nicht sicher, ob ich Wehen haben könnte. Also rief ich meinen Papa an der sofort kam, um auf mich aufzupassen. Nach einer Telefonkonferenz mit Mama entschieden wir, tatsächlich ins Krankenhaus zu fahren. Sicher ist sicher!

„Sie sind doch die Frau mit der Hirnblutung?“

14:30 Uhr: Mein Papa und ich amen im Krankenhaus an, meldeten mich als Notfall an und durften direkt in den Kreißsaal gehen. Eine Krankenschwester schloss mich ans CTG an. Aber nur kurz, denn sie erkennte mich wieder. „Sie sind doch die Frau mit der Hirnblutung?!“ – Bingo! Die Schwester brachte mich in einen anderen Raum wo gleich ein Arzt nach mir sehen wollte. Sie schloss mich an ein anderes CTG an und ließ meinen Papa und mich alleine. Kurz darauf erschien ein junger Arzt. Er war gut gelaunt, sah sich das CTG an und legte mir eine Venennadel. Dann bekam ich etwas gegen meine Schmerzen. Paracetamol – IV. Flüssig und über die Vene wirkte es schneller und besser. Das CTG lief weiter und wir warteten.

15:30 Uhr: Mein Mann kam zu uns. Papa verließ den Kreißsaal um in der Cafeteria auf meine Mama zu warten. Der junge Arzt kam wieder zu uns und scherzte mit der Schwester rum. Die Atmosphäre war locker. Er sah sich das CTG an und machte einen Ultraschall. Das Kind schien gesund zu sein – und ich war unendlich erleichtert! Die diensthabende Oberärztin sollte sich die Werte allerdings auch noch einmal ansehen. Sie kam kurz darauf zu uns, prüfte die Werte und bestätigte, dass laut Ultraschall mit dem Baby alles okay ist. Allerdings zeigte das CTG Wehen.

Und plötzlich ging alles ganz schnell …

Für den Fall der Fälle klärte der junge Arzt meinen Mann und mich über die Risiken eines Kaiserschnitts auf. Ich fand das seltsam, bohrte aber nicht weiter nach. Kurz darauf klärte er uns – für den Fall der Fälle – über die Narkose auf. Jetzt fand ich es nicht mehr seltsam. Mir war klar, worauf das rauslief!

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Der junge Arzt erklärte uns schließlich, dass wir das Kind heute per Notkaiserschnitt holen. Wegen den Wehen wollten die Ärzte nichts riskieren – vor allem keine erneute Blutung in meinem Hirn. Mein Mann machte sich auf den Weg in die Cafeteria um meinen Eltern Bescheid zu geben. Eine Schwester wechselte mit mir den Raum, um mich für die OP vorzubereiten. Meine Mama kam zu mir und half mir aus dem Pulli. Als mir die Schwester den Katheter legte, hielt mein Mann Händchen und meine Eltern warteten draußen. Dann war ich für den Notkaiserschnitt gerüstet. Ich verabschiedete mich von meinem Mann und meinen Eltern und kam in den OP.

Vom Unwohlsein zum Notkaiserschnitt

Im OP warteten bereits Ärzte, Schwestern und der Anästhesist. Dieser erklärte mir, wie genau die Narkose ablaufen sollte und dass die OP beginnt, sobald die Narkose wirkt. Ich fragte nochmal nach ob er sich da dann auch ganz sicher sei, dass die Narkose wirkt, bevor geschnitten wird. Ganz geheuer war mir das alles nämlich nicht. Doch er beruhigte mich und versicherte, dass da nichts schief ginge.

Die Ärztin trug an meinem Bauch und meinen Oberschenkeln das Desinfektionsmittel auf. Ich begann am ganzen Körper zu zittern. Das Desinfektionsmittel war saukalt. Aber schlimmer war die Angst vor dem Notkaiserschnitt, die mich nun überkam. Der Anästhesist setzte mir eine Maske auf. Er sagte es käme erst Luft raus, damit sich meine Lunge daran gewöhnt. Das letzte woran ich mich erinnere ist, dass sich der Geschmack der „Luft“ veränderte. Dann war ich weg.

16:47 Uhr: Unsere Tochter, Mona Michelle, erblickte mit 42 cm und 1.980 Gramm das Licht der Welt! Auf Instagram findest Du übrigens auch eines der ersten Fotos von ihr …

Mein Notkaiserschnitt als Beginn einer nervenaufreibenden Reise

Notkaiserschnitt

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Auch wenn es ein Notkaiserschnitt war und meine kleine Prinzessin 6 Wochen zu früh zur Welt kam – ich fühlte mich keine Sekunde als Notfall im Krankenhaus. Ärzte und Schwestern strahlten Ruhe und Kompetenz aus. Und sie machten ihre Sache wirklich gut! Man könnte meinen, mein Geburtsbericht endet hier. An sich ist das auch so. Doch die nächsten 3 Wochen hielten einiges für uns bereit. Noch in der Nacht der Geburt kam ich in ein anderes Krankenhaus. Auf die Stroke Unit – Schlaganfalleinheit – wegen Verdacht auf erneute Hirnblutung. Drei Tage war ich von meinem Baby getrennt, das auf der Intensivstation für Neugeborene lag. Wir haben vieles erlebt und durchgemacht. Was genau – das erzähle ich in einem andern Beitrag. So viel sei aber verraten: Inzwischen sind wir drei zuhause und genießen unser neues Familienglück!

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