Extreme Schwangerschaftsübelkeit, ein Erfahrungsbericht

Annika, mittlerweile Mama einer einjährigen Tochter, berichtet uns von Ihrer Schwangerschaftsübelkeit. Sie erzählt, wie sich eine zu Anfang leichte Übelkeit immer mehr steigerte und in einer Hyperemesis gravidarum endete. Außerdem erzählt sie uns, was zumindest zu Beginn noch geholfen hat.

Schwangerschaftsübelkeit pixabay.com © CCO Public Domain (CC0 Public Domain)

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Schwangerschaftsübelkeit

Ein geplantes Baby, ein positiver Schwangerschaftstest, aber anstatt sich auf die kommenden 9 Monate und ihr Baby zu freuen musste Annika von Anfang an mit Schwangerschaftsübelkeit kämpfen.
Viele Schwangere leiden gerade am Anfang der Schwangerschaft unter der klassischen Morgenübelkeit, die aber nach den ersten 3 Monaten meist überstanden ist. Bei Annika fing es zunächst auch so an, nur dass ihr den ganzen Tag übel war und sie sich regelmäßig übergeben musste – bis zu 20 Mal am Tag.

„Das Schlimmste war, dass auch vom Frauenarzt keine Unterstützung kam.“, erzählt Annika. „Die Diagnose Hyperemesis gravidarum wurde vom Arzt zwar gestellt, trotzdem wurde mir selbst in der 15. SSW noch erzählt, dass die Übelkeit in der 12. SSW abrupt aufhören würde“.

Die Hoffnung, dass die Schwangerschaftsübelkeit nach 3 Monaten aufhören oder sich zumindest bessern würde, musste Annika leider begraben. Im Gegensatz zu anderen Schwangeren nahm sie in den ersten Monaten 10 kg ab, da sie kaum etwas essen konnte, beziehungsweise es nicht bei sich behalten konnte! Das einzige was sie essen konnte waren gekochte Kartoffeln und etwas Wasser.

„In dieser Zeit war meine größte Angst, nicht genug Nährstoffe aufzunehmen und mein Baby nicht ausreichend versorgen zu können.“, erinnert sich Annika.

Doch egal wie schlecht es Annika auch ging, das Baby war zum Glück stets bester Gesundheit.

Was kann man gegen Schwangerschaftsübelkeit tun?

Natürlich kann man prinzipiell einiges gegen Schwangerschaftsübelkeit machen, zumindest dann, wenn Sie nicht in so extremer Form auftritt.

  • Regelmäßig kleine Mahlzeiten zubereiten, nach dem Aufwachen direkt trockenen Toast und Tee in kleinen Schlucken zu sich nehmen.

Hilft leider nur, wenn man nicht sofort wieder alles erbricht.“, so Annikas Erfahrung.

  • Globuli, Nux vomica bei Übelkeit ohne Erbrechen, Ipecacuanha bei Übelkeit mit Erbrechen, Pulsatilla pratensis bei Erbrechen und Aufstoßen.

Annikas Tipp: „Das hat am Anfang noch ganz gut geholfen, würde ich empfehlen. Die Dosierung am besten in der Apotheke abklären.“

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  • Ingwer, entweder in Tablettenform oder als Tee. Einfach ein Stück frischen Ingwer mit heißem Wasser übergießen.
  • Vitamin B6 und B12 verringern die Übelkeit. Entweder entsprechend ernähren oder Tabletten einnehmen. (Achtung: Immer in Absprache mit dem Frauenarzt und / oder Apothekern).
  • Akupressurbänder helfen eigentlich gegen Reiseübelkeit, sollen aber auch bei Schwangerschaftsübelkeit helfen.
  • Generell gilt es, auf seine Gelüste zu hören.

„Als das Erbrechen nachließ, hatte ich immer Lust auf Spezi und es war tatsächlich das einzige Getränk, das ich ohne Aufstoßen trinken konnte.“, erinnert sich Annika.

Interview: 3 Fragen an Annika

Julia (Hochzeit, Familie & Kind): Was würdest du Frauen in einer ähnlichen Situation raten?

Annika: „Eine Hyperemesis gravidarum tritt selten auf. Nur 1-3 Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen. Sollte man trotzdem dazugehören, braucht man dringend eine Vertrauensperson, die in der Lage ist einen zu unterstützen. Nicht nur im Alltag sondern vor allem psychisch. Eine Hyperemesis gravidarum ist eine extreme Belastung, die unter Umständen bis zum Ende der Schwangerschaft andauern kann.“

Julia (Hochzeit, Familie & Kind): Was war das Schlimmste für dich?

Annika: „Man fühlt sich absolut hilflos und isoliert. Man siecht sozusagen dahin, versucht nur einen weiteren endlosen Tag zu überstehen. Es gibt einfach nichts was man gegen diesen Zustand tun kann. Das Unverständnis des Umfeldes ist auch nicht gerade hilfreich. Mein Freundes- und Bekanntenkreis hat meine Krankheit Hyperemesis gravidarum immer als Überempfindlichkeit abgetan. Zudem konnte ich mich nicht auf mein Baby freuen, zeitweise wollte ich einfach nur, dass es aufhört.“

Julia (Hochzeit, Familie & Kind): Planst du nach dieser Erfahrung ein weiteres Kind?

Annika: „Dass ich bei einer weiteren Schwangerschaft wieder unter Hyperemesis gravidarum leiden würde,ist nicht gesagt. Deshalb würde ich es wohl noch einmal wagen. Diesmal wäre ich jedoch besser vorbereitet. Ich würde nicht mehr auf Hilfe von ignoranten Ärzten hoffen, sondern würde mich stationär ins Krankenhaus einweisen lassen. Da die Hyperemesis gravidarum mit einem extrem hohen Hormonspiegel zusammenhängt, würde ich auf eine Schilddrüsenuntersuchung bestehen. Die Selbstversuche mit Ingwertee etc. kämen für mich auch nicht mehr in Frage, da mir jetzt klar ist, in so einem schweren Fall wie meinem helfen nur Medikamente. Vor allem weiß ich jetzt, dass sich das Durchhalten definitiv lohnt!“

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Julia – und vor allem bei Annika für das offene Gespräch bedanken. Wer ebenfalls unter Hyperemesis gravidarum, dieser extremen Schwangerschaftsübelkeit leidet, sollte auf jeden Fall einen Spezialisten zu Rate ziehen.

 

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