Heißt Elternzeit für Väter zeitgleich „Karrierekiller“?

Die Meinungen sind gespalten. Während die einen sagen, es sei das Karriere-Aus, sagen andere, es sei die größte Chance, die sich Vätern bietet: Eine Auszeit für die Life-Life-Balance. Doch welche Konsequenzen bringt die Elternzeit für Väter wirklich mit sich?

Elternzeit für Väter pixabay.com © PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)

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Muss Mann nach der Elternzeit für Väter um seine Karriere fürchten?

Carsten stellt sich dem neuen Rollenbild. Er möchte „Mann sein“ und sieht sich als Hauptverdiener, Beschützer und Familienoberhaupt. Auf der anderen Seite möchte er gerade in den ersten Monaten noch intensiver für seine Tochter da sein, als er es als Führungskraft im mittleren Management bei einem Chemiekonzern könnte. Und der Gesetzgeber hat Vätern wie Carsten vor einigen Jahren eine gute Möglichkeit dafür eingeräumt. Die Elternzeit. Bei der Elternzeit für Väter kann entweder für die obligatorischen zwei Partnermonate, volle zwölf Monate oder in anderer Aufteilung mit der Mutter – zum Beispiel 50/50 – in Elternzeit gehen und voll für den Nachwuchs da sein.

Studie verheißt nichts Gutes – Karrierekiller Elternzeit?

Das Fazit des 34-jährigen: „Nicht falsch verstehen, ich liebe meine Frau und meine Tochter über alles, aber in Elternzeit würde ich nie wieder gehen.“ Denn was der Manager schon bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung erlebte, lässt auf kein gutes Ende schließen. „Mein Chef hat mir eröffnet, dass er von mir mehr Loyalität erwartet hätte und dass meine Entscheidung Konsequenzen haben könnte.“, so Carsten.

Und welche das sind, erfuhr er gleich nach seiner Rückkehr. Die Abteilung, die er einst leitete, gab es nicht mehr. Seine drei Mitarbeiterinnen wurden auf andere Bereiche aufgeteilt. Und da somit keine Stelle im Management mehr frei war, wurde er als Sachbearbeiter dem Einkaufsleiter zugeteilt. So wie Carsten ergeht es laut einer Studie des Berliner Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SoWiTra) vielen Vätern, die eine Elternzeit von drei oder mehr Monaten nehmen. „Mit den gängigen zwei Monaten Elternzeit für Väter haben sich die meisten Arbeitgeber arrangiert.“, so die Autoren der Studie mit dem Namen „Nachhaltige Effekte der Elterngeld -Nutzung durch Väter“.

Schlechte Aufstiegschancen, Einbußen beim Geld und Verlust des Ansehens

Die Folgen für die frisch gebackenen Väter sind vielfältig. Besonders häufig werden mangelnde Aufstiegschancen als Folge der Elternzeit genannt. Arbeitgeber befürchten anscheinend, dass sie beim nächsten Kind wieder für eine lange Zeit auf ihren Mitarbeiter verzichten müssen. Und insbesondere bei den männlichen Kollegen stoßen Carsten und seine Mitstreiter auf Ablehnung. „Die meisten Firmen schreiben sich gerne das Siegel Familienfreundlichkeit auf die Fahnen. Aber wehe, der Mitarbeiter nutzt dann tatsächlich dieses Angebot.“, schallt es ärgerlich aus Carsten heraus. „Dann ist es schnell vorbei mit der Familienfreundlichkeit.“

Wie sollte ich mich als Vater verhalten, wenn ich in Elternzeit gehen möchte?

Wichtig ist der Rückhalt des Chefs, so ein Ergebnis der Studie. Wer einen Vorgesetzen hat, der hinter dem Ansinnen des Mitarbeiters steht und sich im besten Fall noch selbst gut an seine Zeit als frischgebackener Vater erinnern kann, ist klar im Vorteil. Auch eine starke Arbeitnehmervertretung kann weiterhelfen. Allerdings schützt auch die nicht vor Ansehensverlust.

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Es liegt an den Unternehmen, die Initiative zu ergreifen

Noch immer sind wir in der Familienpolitik nicht da angekommen, wo wir eigentlich stehen sollten. Insbesondere für Väter – für Mütter allerdings oft auch – kann eine längere Elternzeit als zwei Monate tatsächlich ein Karrierekiller sein. Die Politik hat zwar bei der Elternzeit für Väter gute Rahmenbedingungen geschaffen. Jetzt ist es allerdings an den Unternehmen dafür zu sorgen, dass junge Väter wie Carsten sich ohne Ängste und Zweifel Zeit für ihren Nachwuchs nehmen können.

 

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Gastbeitrag von Micha (Erfolg & Freiheit)

Hinter diesem Gastbeitrag verbirgt sich Micha, ein Papa der sich in den Tiefen der Businesswelt auskennt, Coach ist und sich als Blogger aktiv im Netz herumtreibt.

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