Der Beschluss über die Ehe für alle macht mich traurig

Am 07.07.2017 berichtete die Tagesschau, dass der Bundesrat dem Beschluss über die Ehe für alle nahezu einstimmig zugestimmt hat. Um genau zu sein ging es bei der Abstimmung um den Gesetzentwurf zur „Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“. Im Rahmen vom Hochzeitsmagazin habe auch ich ein Statement zu dem Thema. Warum mich die Ehe für alle traurig stimmte? Das erfährst Du hier …

Ehe für alle

pixabay.com © sharonjoy17 (CC0 Public Domain)

Worum geht es bei der Ehe für alle?

Bisher war es Liebenden gleichen Geschlechts nur möglich, eine eigetragene Lebenspartnerschaft zu bewirken. Das Lebenspartnerschaftsgesetzt, das am 01.08.2001 in Kraft trat, erfährt nun eine Revolution: Heiraten ist nicht mehr nur heterosexuellen Paaren vorbehalten.

Bereits eingetragene Lebenspartnerschaften lassen sich durch Paare, unter gemeinsamem Vorstellen auf dem Standesamt, in eine Ehe wandeln. Dies ist allerdings nur eine Option und die geschlossene Lebenspartnerschaft lässt sich auch fortführen. Künftig können sich homosexuelle Paare allerdings nicht mehr entscheiden – die Ehe für alle schließt die eingetragene Lebenspartnerschaft aus.

Kritikpunkte an der Ehe für alle

Natürlich führt das Gesetz über die Ehe für alle auch zu hitzigen Diskussionen. Zwar gibt es viele Befürworter, aber auch Kritiker. Den Kritikern zufolge geht es scheinbar vorwiegend um diese beiden Punkte, wie der Tagesspiegel am 30.06.2017 berichtete:

  1. Bei der Ehe geht es traditionell im deutschen Kulturkreis um die Verbindung zwischen Mann und Frau
  2. Aus einer Ehe gehen Kinder hervor, die als sogenannte Keimzelle der Gesellschaft gelten und weshalb Ehe und Familie privilegiert behandelt werden sollen.

Die Argumentation der Kritiker führt unter anderem dazu, dass die CSU (Bayern) eine verfassungsrechtliche Prüfung des Beschlusses veranlassen möchte. Möglicherweise kann dies zu einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht führen, wie die Tagesschau am 07.07.2017 berichtete.

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Mein persönliches Statement zur Ehe für alle

Kurz bevor es zum Beschluss kam und die Medien auf die ausstehende Entscheidung über die Ehe für alle aufmerksam machten, stimmte mich die anstehende Beschlusslage im ersten Moment traurig. Wir leben im Jahr 2017 – sollte es in unserer heutigen, in Deutschland weltoffenen, Zeit nicht selbstverständlich sein, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare selbstverständlich ist?

Auch wenn hier im Hochzeitsmagazin oft über das „Brautpaar“ oder „Braut und Bräutigam“ geschrieben wird, schließe ich auf diesem Blog selbstverständlich auch „Bräutigam und Bräutigam“ oder „Braut und Braut“ mit ein! Weshalb die Formulierung des Brautpaares dennoch hier bestehen bleibt hat einen einfachen Grund: Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. Und beim Thema Heiraten hat sich die Bezeichnung des Brautpaares umgangssprachlich auch in meinen Gedanken gefestigt – ohne irgendjemanden dabei auszugrenzen oder benachteiligen zu wollen.

Wenn ich mich in der Medienlandschaft nach dem Beschluss umsehe, weicht meine schlechte Stimmung übrigens positiven Eindrücken. Denn es hat den Anschein, als ob es mehr Befürworter als Gegner bei der Ehe für alle gibt. Schlechte Stimmung habe ich noch nicht groß wahrgenommen. Die Freude darüber, dass Deutschland eine zeitgemäße Gesetzesänderung begrüßt, scheint verstärkt auf positives Feedback zu stoßen. Und ich hoffe, dass das auch so bleibt!

Wie stehst Du zu dem Thema? Ich freue mich über Deinen Kommentar hier auf dem Blog. Gerne kannst Du aber auch auf Facebook oder Instagram vorbeischauen und dort einen Kommentar hinterlassen.

4 Comments

  • Zhunami Juli 10, 2017 at 9:50 am

    Zwischen 70-80% der Deutschen waren sowieso schon die ganze Zeit dafür, also wurde endlich mal der Wille des Volkes durchgesetzt. Du bist also nicht allein. Es wurde auch wirklich Zeit. 🙂

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    • Anjulie Juli 10, 2017 at 10:00 am

      War längst überfällig 🙂 Jetzt mal abwarten, was die Prüfung ergibt … Aber bisher habe ich nicht den Eindruck, dass sich etwas am Ausgang des Beschlusses ändert 🙂

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  • Gassenreh Juli 28, 2017 at 12:40 pm

    Ehe für alle bringt Diskriminierungsgefahr von Kleinkindern: Das eigentlichen Problem ist die Homo-Adoption von Kleinkindern: Sicher wird das volle Adoptionsrecht hinzukommen. Aber das eigentliche Kindeswohl steht nur bedingt im Mittelpunkt der gleichgeschlechtlichen Adoptionswünsche und ist auch durch sicher in vielen Fällen gegebene, beachtliche Liebeszuwendung nicht zu garantieren. Denn eigentümlicherweise wird durch diejenigen, welche Freiheit in jeder Beziehung fordern, eine Beschneidung der Freiheit der Kinder billigend in Kauf genommen.
    Im Gegensatz zu einem Kind in einer Vater-Mutter-Gruppierung, erleidet das in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung heranwachsende Kind eine gewisse Deprivationssituation bzw. Diskriminierung, da ihm der enge Kontakt mit der Gegengeschlechtlichkeit verwehrt bleibt (Fehlende Aktivierung von wichtigen Spiegelneuronen).
    Die Frage nach dem Wohl des Kindes wird hier bei der versuchten Verwirklichung abstrakter Gleichheitsideen oder dem Versuch der Beseitigung eines auszuhaltenden, vielleicht unangenehmen Defizits, in der Regel gar nicht erst gestellt.
    [Einzelheiten über „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4 nachzulesen]

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    • Anjulie Juli 28, 2017 at 12:56 pm

      Danke für deinen Beitrag. Jeder ist in seiner Meinung frei… Ich bin mir nicht sicher, wie weit ich hier mitgehen kann. Sicher besteht Diskriminierungsgefahr. Doch meiner Meinung nach liegt das nicht an der gleichgeschlechtlichen Ehe selbst, sondern an einer mittelalterlichen Weltanschauung, die in Teilen der Gesellschaft leider bis heute noch existiert. Es gibt so viele Paradebeispiele, bei denen es Kindern in Familien mit „typischen Rollenbildern“ schlecht geht (zum Beispiel aufgrund von psychischer und physischer Gewalt). Nur weil es eine gleichgeschlechtliche Ehe ist halte ich es ehrlich gesagt für fragwürdig, das Kindeswohl als gefährdet zu anzusehen. Abhilfe könnte man bei dieser Gefahr schaffen, indem übergreifend nach dem Prinzip „leben und leben lassen“ durch die Welt gegangen wird 😉

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