Vertragsarten: Der Dienstvertrag (Definition & Beispiele)

Das vermutlich klassischste Beispiel für den Dienstvertrag ist der Arbeitsvertrag. Wer sich mit der Gestaltung von Verträgen im Berufsleben konfrontiert sieht, sollte über die Grundlagen der (gängigsten) Vertragsarten informiert sein. Worauf es beim Dienstvertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ankommt und welche Beispiele es aus der Praxis gibt, erfährst Du hier!

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Im Dienstvertrag ist die Leistungserbringung geschuldet

Am besten lassen sich Dienstvertrag und Arbeitsvertrag miteinander vergleichen. Zwar unterscheiden sie sich teilweise stark voneinander, aber der Arbeitsvertrag ist letztendlich nur eine Unterform des Dienstvertrags. Das heißt, die Basis ist bei beiden Vertragsarten gleich: Bezahlt wird aufgrund von geleisteter Arbeitszeit. Der Dienstvertrag ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 611 BGB) geregelt. Dieser kommt grundsätzlich durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen (Angebot und Annahme) zustande. Der Dienstvertrag kennzeichnet sich dadurch, dass hier die Leistung selbst geschuldet wird. Während der Auftragnehmer die Leistung schuldet, verpflichtet sich der Auftraggeber im Gegenzug zur Bezahlung dieser Leistung. Im Gegensatz zum Werkvertrag schuldet der Auftragnehmer hier jedoch keinen Erfolg. Eine andere Vertragsform, die aber zum einfacheren Verständnis herangezogen werden kann, ist der Arbeitsvertrag. Auch hier erhält man, in der Regel für seine geleistete Arbeitszeit (Leistung) eine Vergütung.

Praxisbeispiele für einen Dienstvertrag

In welchen Fällen man Dienstverträge schließen kann – und wie sich diese gestalten lassen, zeigen die folgenden zwei Beispiele.

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  • Beispiel 1: Beratung ⇒ Ein beliebtes Beispiel für den Dienstvertrag sind Beratungsleistungen. Diese können zum Beispiel bei Rechtsanwälten und Steuerberatern, aber auch bei anderen Consultants in verschiedenen Branchen liegen. Hier schuldet man üblicherweise keinen Erfolg. Daher ist der Dienstvertrag die logische Konsequenz für die Leistungserbringung. Achtung: Als eigene Vertragsart sollte man beim Beratungsvertrag spezifische Dinge beachten!
  • Beispiel 2: Bürotätigkeiten ⇒ Manche Unternehmen nutzen das Outsourcing um bestimmte administrative Bürotätigkeiten auszulagern. Häufig wird zum Beispiel die Lohnbuchhaltung fremdvergeben. Für solche und ähnliche Tätigkeiten bietet sich in der Regel ein Dienstvertrag auf Stundenbasis an.

Mögliche Preisgestaltung im Dienstvertrag

Da beim Dienstvertrag die Leistung geschuldet wird, rechnet man hier in der Regel „nach Aufwand auf Nachweis“ (Time & Material) ab. Das heißt: Die Abrechnung erfolgt nach tatsächlich geleisteter Arbeitszeit (und verwendeter Materialien). Bei der Angebotserstellung kann man dabei auf unterschiedliche Varianten eingehen, zum Beispiel:

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  • Festpreis (unter Annahme eines bestimmten Zeit- und Materialaufwands für die Leistungserbringung)
  • Stundensatz
  • Tagessatz
  • Monatspauschale

Im Gegensatz zum klassischen Arbeitsvertrag richtet sich die Preisgestaltung nicht an eine bestimmte Person. Es ist durchaus möglich, beispielsweise mit zwei oder mehr Personen je Tag zu kalkulieren, die die Leistung erbringen. So kann es also durchaus sein, dass mit vereinbartem Stundensatz an einem Tag 24 Stunden (3 Personen mit jeweils acht Stunden Zeitabrechnung für die Leistungserbringung) in Rechnung gestellt werden.

Warum der Festpreis und die Pauschale im Dienstvertrag gut überlegt sein sollten

Im Rahmen der Angebotskalkulation kann man zum Beispiel Festpreise und Pauschalen vereinbaren. Dabei sollte man jedoch keine allzu grobe Schätzung liefern. Bei einer Fehleinschätzung des Zeitaufwands kann die Folge sein, dass man für die Leistungserbringung mehr Zeit braucht. Wer zum Beipsiel pauschal 4.000 Euro für Leistung X im März anbietet (Kalkulationsbasis = 20 Tagen zu je 200 Euro) und am Ende 40 Tage dafür benötigt, macht Verluste. Außerdem gehen wegen gebundenen Kapazitäten andere Aufträg – und damit auch (weitere) Einnahmen flöten.

Grundsätzlich gilt außerdem für den Dienstvertrag (genauso wie für den Werkvertrag), dass dringend ein Ausschluss von Scheinselbstständigkeit und verdeckter Arbeitnehmerüberlassung sichergestellt sein soll.

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