Warum sollte ich einen Businessplan erstellen?

Wie der Motor für das Auto und das Herz für den Menschen, gehört der Businessplan zum Existenzgründer dazu. In der modernen und hippen Startup-Szene hängt ihm allerdings ein Image als verstaubtes und uncooles Pamphlet nach. „Das was da heute drin steht, ist morgen längst überholt.“, so die immer häufigere Meinung von Existenzgründern. Aber stimmt das wirklich? Dient der Businessplan (mit seinen 9 Kernthemen) wirklich nur als Beruhigungstablette für Banken und schränkt er den Existenzgründer in seiner Kreativität ein?

Der Businessplan als gedankliche Strukturierung des Geschäftsmodells

Ganz so einfach ist es nicht. Auch wenn der Businessplan gerade in der Digitalszene schon fast als Unwort gilt, hat er nach wie vor seine Berechtigung. Denn ganz entscheidend ist vor allem der Entstehungsprozess des Plans. Hierbei muss sich der Gründer erstmals so richtig intensiv mit seiner Idee auseinandersetzen. Im Vorfeld der Gründung muss ein Startup sich viele Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Wer sind meine Kunden?
  • In welche Märkte möchte ich?
  • Wo gibt es welche Wettbewerber?

All diese Fragen und Gedanken müssen strukturiert werden. Und das funktioniert immer noch am besten mit einem Businessplan. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser nun wirklich Businessplan heißt oder in moderneren Formen als Slidedeck oder Pitchdeck daherkommt.

Der Weg ist das Ziel

Und frei nach Konfuzius ist auch beim Businessplan der Weg das Ziel. Der Hauptaufwand besteht im Planen. Der Gründer muss sich mit der eigenen Idee und allen Fragestellungen und möglichen Unwägbarkeiten befassen. Der Planungsprozess kann sehr kreativ sein und liefert dem Existenzgründer viele neue Antworten und wirft immer wieder neue Fragen auf. Während die spätere Dokumentation, also das Festhalten der Planung, nur die Pflicht ist, sollte der Planungsprozess an sich die Kür sein. Der Existenzgründer zeichnet ein Bild von der Zukunft und fragt sich: „Was wird passieren?“ und „Wie kann und möchte ich die Zukunft mitgestalten?“

Konkret beinhaltet der Businessplan in der Regel 9 Kernthemen:

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9 Kernthemen vom Businessplan

  1. Die Management Summary liefert einen groben Überblick (circa eine DinA4 Seite)
  2. Informationen zum Unternehmen bezüglich Profil, Ziele und Besitzverhältnisse
  3.   Informationen über Leistungen, Produkte und Herstellung. Dazu zählen zum Beispiel der Kundennutzen, Wettbewerbsvergleiche, Verfahren zur Leistungserbringung und Herstellung oder Kosten und Preise
  4. Informationen zum Markt und Wettbewerb, wobei zum Beispiel der Gesamtmarkt und eine Wettbewerbsanalyse geliefert werden
  5. Informationen über Marketing und Vertrieb. Hier nutzt man übelicherweise den Marketingmix, die sogenannten 4 Ps (Product, Place, Price, Promotion)
  6. Informationen über Organisation und Management. Hier kann man die Unternehmens-, Bereichs- oder Teammitglieder vorstellen. Diese Information eignet sich allerdings mehr bei Startups, als in bestehenden Organisationen, die den Businessplan für Neuprojekte ntutztn
  7.   Die Finanzplanung, mit konkreten Informationen zu Investitionen, Betriebsmittelbedarfen, Liquiditätsplanung, Entwicklung und Marketing. Die Darstellung erfolgt üblicherweise mit einer Liquiditätsplanung, den Bilanzen und / oder der Gewinn- und Verlustrechnung
  8.   Darstellung der Chancen und Risiken. Hier kann man zum Beispiel die SQOT-Analyse oder Szenariotechnik nutzen.
  9.   Darstellung des Finanzbedarfs mit Basis der Finanzplanung. Hier stellt man den voraussichtlich benötigten Kapitalbedarf dar, also das Kapital, das sich aus Fremd- und Eigenkapital ergibt

Ein Businessplan eignet sich nicht nur für Gründer

Wer Businessplan hört, denkt in erster Linie an die Gründung eines Unternehmens. Aber dieses Instrument ist sinnvoll für alle unternehmerischen Vorhaben, die außerhalb des Tagesgeschäfts liegen. Es gibt im Unternehmeralltag vielfältige Szenarien, in denen es sinnvoll ist, sein Vorhaben aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Das gilt zum Beispiel für

  • Expansion in andere Märkte
  • Expansion in andere Länder
  • Übernahmen
  • Börsengang
  • Kapitalerhöhung
  • Förderprogramme
  • Umstrukturierung
  • Change-Prozesse

 Banken und Investoren interessieren sich nur für Zahlen

Zugegeben, diese Formel ist vielleicht etwas plump, stimmt aber im Wesentlichen. Ein potenzieller Geldgeber orientiert sich zunächst einmal an Liquiditätsplänen und Rentabilitätsvorschauen und gleicht dann ab, ob diese Ziele mit den Ideen aus dem Businessplan umgesetzt werden können. Für den Existenzgründer hingegen enthält der Businessplan den kompletten Output der „Beschäftigung mit sich selbst und seiner Idee“.

 Fazit: Der Businessplan ist nicht nur für Existenzgründer ein hilfreiches Tool!

Ein Businessplan kann für Existenzgründer, aber auch für etablierte Unternehmen ein gutes Instrument sein, um sich mit seinem Vorhaben auseinanderzusetzen und es reifen zu lassen. Er ist gleichzeitig Aufgaben- und Meilensteinplan und sollte von Anfang an so konzipiert sein, dass er jederzeit den Gegebenheiten angepasst werden kann!

Fotos: © Martina Brunow Fotografie

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